NaNoWriMo 2022 – Rückblick

Hier der versprochene Rückblick:

Ich habe beim NaNoWriMo mitgemacht und habe es geschafft! Nun möchte ein paar Eindrücke schildern.

Die Arbeit selbst

Das ist der schwierigste Absatz, weil ich zwiegespalten bin. In meinem Kopf tummeln sich Ideen, die sich mal besser mal schlechter mit anderen verknüpfen. Selbst mit einer Planung vorneweg (nicht nur was so vorkommt, sondern auch wirklich was wann wie passiert), gibt es etwas das man nicht planen kann: Den Flow!

Denk an den Flow!

Szenen entwickeln sich natürlich. Es ist schwierig zu beschreiben, aber manche Dialoge schreiben sich wirklich von allein. Wenn man seine Figuren kennt, wenn man „drin ist“. Das sind oft die stärksten Szenen. Und die gibt es erst, wenn man sie aufschreibt.

Dabei hilft der NaNoWriMo. Das Blatt füllt sich und es geht immer weiter. Man kann und muss ja eh nochmal (und nochmal und nochmal) drüber. Erst wenn man die Geschichte aufgeschrieben hat weiß man, ob sie funktioniert und/oder wo es Verbesserungsbedarf gibt.

Aber umgekehrt ist der Druck schon eine schwierige Sache. Jeden Tag zu liefern, bedeutet jeden Tag zwischen zwei und drei Stunden zu schreiben. Fällt ein Tag weniger ergiebig aus, ist das Gepäck für den Folgetag schwerer. Ich habe einen Brotjob und eine Familie, ich kann abends zwei Stunden unterbringen, aber ein ganzer Monat ist lang. Dann hat mich Mitte des Monats eine Erkältung erwischt und ich hatte trotzdem die Deadline im Nacken und stellenweise schlechte Laune.

Grob bei der Hälfte ist/war der nervigste Teil. Wenn die meisten Fäden ausgelegt sind und man daran geht das Netz wieder enger zu ziehen. Spannung durch Wendungen zu erzeugen ist halt einfacher, als die große Auflösung. Durch den NaNoWriMo habe ich es geschafft dieses Tal von 20.000 bis 33.000 zu durchwandern.

Als es dann aufs wirkliche Ende zulief musste ich mich aber zwingen. Da gab es keine Reveals mehr und ich hätte lieber an anderen Szenen gearbeitet. 45.000 bis 50.000 waren eine Pflichtkür. Aber os kurz vor dem Ende gebe ich nicht auf.

Trotzdem überwiegt am Ende der Triumpf, auch wenn ich nicht weiß ob ich kommendes Jahr wieder antrete. Ich habe einen Draft meines zweiten Buchs und ich bin schneller dort angekommen, als ich es ohne den Druck geschafft hätte und trotzdem – die Fixierung auf reine Wortzählerei ist nicht meins.

Ich wiederhole mich, aber die Erkenntnis setzt sich auch erst langsam fest: Ich habe mein zweites Buch geschrieben! Jubel! Konfetti! Applaus! Champagner oder zumindest Dosenbier!

Ein paar Zahlenspiele

Es dürfte nicht überraschen, dass eine Challenge, die sich letztlich nur aus einer Quantität besteht sich auch hauptsächlich darin widerspiegelt. Man bekommt immer wieder Zahlen und Schnitte präsentiert und kann sich von diesen wahlweise beeindruckt, motiviert, angegriffen, verunsichert, unter Druck gesetzt oder gebauchpinselt fühlen. Ein paar Beispiele?

Na klar…

  • Im Schnitt „muss“ man 1667 Wörter pro Tag schreiben, um in 30 Tagen das Ziel von 50.000 Worten zu erreichen. Wenn man (was man ja muss um teilzunehmen) seinen Wordcount täglich aktualisiert, dann bekommt man die eigene Leistungskurve zusammen mit der rein mathematischen. Bei mir sah das so aus:
Mein Fortschritt beim NaNoWriMo 2022

Basierend auf der Anzahl Worte die man abliefert aktualisiert sich täglich die Anzahl Worte die man liefern „muss“ und das Datum an welchem man beim aktuellen Pace die 50.000 erreicht. Da ich zwischenzeitlich ja ein kleines bisschen unter dem Schnitt geblieben bin schob sich das Zieldatum auf den 01.12. dann auf den 05.12. und dann holte ich wieder auf und habe es ja letzten Endes am 29.11. geschafft.

  • Ebenso wird der „daily word count“ angezeigt:
Mein Tagewerk beim NaNoWriMo 2022
  • Große Zahlen zwischendurch: Die tatsächliche Anzahl der Teilnehmer ist schwierig zu benennen, weil diese in einem ähnlichen Verhältnis steht wie die Anzahl der Menschen die gerne mal ein Buch schreiben würden und die die es tatsächlich versuchen (ich habe da Erfahrung. Auch ich habe nichts gemacht, bis ich was gemacht habe). Die 2022er Teilnehmerzahl finde ich nirgendwo, aber für die Statistik:
JahrTeilnehmer
2015351.489
2016384.126
2017402.142
2018450.000
Teilnehmer NaNoWriMo

Wahrscheinlich sind es 2022 zwischen 600.000 und 700.000 Teilnehmer. Wenn man das aber den „Winnern“, also denen gegenüberstellt welche die 50.000 Wortmarke knacken, wird es weniger:

JahrTeilnehmerWinners
2015351.48940.423
2016384.12634.000
2017402.14248.257
2018450.00053.000
Winners NaNoWriMo

Die Statistik fußt auf diesen Zahlen, die während des NaNoWriMos 2018 erhoben wurden. Das bedeutet, dass am Ende rund 10% der Teilnehmer den Weg ins Ziel finden.

  • Diese Zahl habe ich eben per mail bekommen: 2022 haben es rund 38.000 Autoren geschafft. Ich bin einer davon.

America the brave…

Der NaNoWriMo ist eine amerikanische Veranstaltung und das merkt man. Es geht darum, dass man ein individuelles Ziel erreicht, und trotzdem ein Gruppenfeeling hat. Wie beim Lauftraining oder den AA. Dazu ist der NaNoWriMo seit 2006 eine non-profit Organisation.

Nun denkt man gemeinhin, dass non-profits die Guten sind, weil sie ja nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt sind. Das stimmt auch, wenn man sie neben Turbokapitalisten stellt, blendet aber aus, dass sie nun Mal auch Geld benötigen. Darum wird man von allen non-profits ständig um Spenden angebettelt. Der NaNoWriMo hat es 2022 schon auf 1,13 Millionen US-Dollar geschafft.

Und gebettelt wird kräftig. Im Laufe des NaNoWriMo bekam ich 29 E-Mails von denen sich gut die Hälfte um Spendenaufrufe handelte. „Kaufe Merch um uns zu unterstützen!“ und „Warum wir non-profit sind und genau deshalb deine Hilfe brauchen“ . Fast jeden Tag.

Where’s the money Lebowski?

Bitte nicht falsch verstehen, ich halte non-profits für gut und richtig und ich verstehe, dass diese Geld benötigen, aber ich bin immer wieder erstaunt, wie penetrant das doch ist. In den USA ist das aber wohl völlig normal.

And the Winner is…

Natürlich jeder der mitmacht. Man macht das aus den Gründen die oben genannt habe. Dazu ist es gleichzeitig eine Werbeaktion (aber auch eine Sparmöglichkeit für Autoren) der aktuell gängigen Fachsoftware auszustatten. Im Zuge des NaNoWriMo bekommt man Schreibapps wie Scrivener oder Planungstools wie Plottr oder Timeline mit deutlichen Nachlässen (25% bis 50%).

Das ist gut und nützlich. Ich selbst nutze Scrivener bereits und habe mir jetzt Timeline geholt. Ob es das braucht, und vor allem wie viel, dass muss jeder selbst wissen. Meine bescheidene Meinung: Ein bisschen hilft, aber viel hilft nicht immer viel.

Bonusstory

Ich spiele zur Zeit immer mal wieder mit der Bild KI Dall-E 2 rum. Das Beitragsbild ist auch damit erstellt. Ich wollte etwas mit Buch und Kraut und Rüben. Dabei ist dann u.a. dieses Meisterwerk entstanden:

Kraut und Rüben – und man sieht wer die Hosen anhat!

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